19. Europäischer Kongress für energieeffizientes Bauen mit Holz im urbanen Raum (EBH)
„Mit Holzbau besteht die Chance, weltweite Trostlosigkeit in der Architektur zu überwinden“
Der 19. EBH-Kongress in Köln mit insgesamt 652 Teilnehmenden über zwei Tage hat seine Stellung als zentrale Kommunikationsplattform des Holzbaus in NRW und den angrenzenden Regionen auch in diesem Herbst einmal mehr erfolgreich unter Beweis gestellt. Die zweitägige Veranstaltung (7. und 8. Oktober 2026) im Kölner Veranstaltungszentrum Gürzenich profitierte trotz eines sich aufgrund externer Faktoren insgesamt eintrübenden Marktumfelds vom guten Zusammenspiel der Partnerorganisationen von FORUM HOLZBAU, wie z.B. mit dem Landesbetrieb Holz NRW, den Architekten- und Ingenieurskammern, dem Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft und den eingebundenen mehreren Fachhochschulen in NRW und Rheinland-Pfalz.
USA-Kenner und Buch-Autor Dr. Josef Braml aus Neubeuern wies in seinem Vortrag über das Spannungsfeld USA und China gleich zu Beginn auf die zentrale Herausforderung hin, die sich auch dem Holzbau in Zentraleuropa stellt: „Werden Sie wetterfest“. Braml wies unzweideutig auf die Risiken hin, die sich durch den Einsatz von „Wirtschaft als Waffe“ mit der Folge andauernder oder sich womöglich noch ausweitender Rivalitäten und Konflikte im Welthandel ergeben: Weiter steigende Ölpreise, höhere Verschuldung der Haushalte (öffentliche wie private), anziehende Zinsen und steigendes Inflationsrisiko. Prinzipiell sei Holz als Wirtschaftsgut weniger von manipulativen Eingriffen der Politik in den Freihandel betroffen, weil es kein „Dual-Use-Produkt“ ist, wie es Mikrochips, KI und Big Data für die Kriegsführung sind - sehr wohl aber indirekt über den Absatz, da eine Rezession drohe, die Verbraucher wie auch Unternehmen belasteten. Braml sieht eine Zeit kommen, dass Gewerbeimmobilien massiv unter Druck geraten. Sein abschließender Rat an den Holzbau: „Schauen Sie, dass Sie ihren Marktvorteil behalten, probieren Sie keine ganz wilden Ideen aus und machen Sie sich wetterfest.“ Es gehe nicht mehr um Erkenntnisse, sondern um Krisenreaktionen. Und oft um Sachen, die man nicht erwarte.
Die Bonner Marktforschung B+L Marktdaten als langjähriger Begleiter der Kongresse von FORUM HOLZBAU konnte in ihrer Analyse des Geschehens am Baumarkt nur wenig positive Aspekte hinzufügen. Einer ist, dass die öffentliche Hand als Investoren zuletzt deutlich aktiver waren als die des gewerblichen Baus oder des Wohnbaus. Immerhin, der Holzbau steigere seinen Marktanteil, vor allem im für die größeren Holzbaufirmen wichtigen Segment des MFH-Neubaus. Zwar würden wohl 2027 und auch 2028 mehr Wohnungen fertig werden, aber auf einem um 80.000 Wohneinheiten reduzierten Niveau gegenüber der Zeit vor der Baukrise. Die Nachfrage nach 4 Mio. m² Flächen an Bodenbelägen, Holzprodukten, Baumaterialien fehle damit. Im NRW-Holzbau sei vor allem das EFH der Verlierer gewesen, während sich in der Krise beim Neubau von Holz-Mehrfamilienhäusern eine sehr positive Entwicklung gezeigt habe - eine Vervierfachung der Quote in NRW, bei deutlich mehr umbautem Raum.
In den sanierungsbedürftigen Gebäudebestand werde hingegen weiter viel zu wenig investiert – hier fehlten einfach die Impulse, so Referent Marcel Dressel. Auch hier seien die Investitionen rückläufig, mit Ausnahme bei Haustechnik (Heizung, PV). Es werde allenfalls in Muss-Maßnahmen investiert, aber viel zu wenig in die energetische Sanierung der Gebäudehülle, an der der Holzbau beteiligt ist (Dach, Fassaden, Fenster).
Dr. Ralf Petercord, der beim EBH-Kongress die NRW-Landesministerinnen Gorißen (Landwirtschaft) und Scharrenbach (Bau, Digitales) vertrat, rief die Politik dazu auf, das Thema Klimawandel endlich ernst zu nehmen. Der Leiter des Referats Holzwirtschaft im Landwirtschaftsministerium warb einmal mehr für Holz und die aktive Nutzung der Ressource. In der Öffentlichkeit würden zu viele Geschichten gegen Holznutzung erzählt, sogar vom Bundesumweltministeriums. „Auf der (Internet-)Seite stehen Geschichten, wo Sie denken, das gibt es doch nicht, das Fachwissen müsste doch da sein. Trotzdem werden da Geschichten gegen Holz, gegen Holzbau formuliert, wo ich wirklich fassungslos bin“, so Petercord.
Richtig sei, mit Holzbau in den Städten (viel Materialbedarf) neben dem Wald-CO2-Speicher einen zweiten, gleichzeitig sehr stabilen CO2-Speicher aufzubauen - in Form von Holzgebäuden. Baustoffe mit fossiler Rohstoffbasis müssten durch Biomasse (v.a. Holz) ersetzt werden. Holz gibt es genug, es müsse viel stärker als aktuell genutzt werden, v.a. auch früher, um die Wälder im Zuwachsstadium zu halten. „Holz im Wald stehen zu lassen, ist keine vernünftige Antwort auf die Klimakrise“, so Petercord. Und man werde sich mittelfristig auf die Nutzung von Laubholzsortimenten umstellen müssen. „Jeder, der denkt, ich kann weiter mit Nadelholz so arbeiten wie bisher, täuscht sich, das wird nicht funktionieren. Leider.“
In der Diskussion im Anschluss an den EBH-Eröffnungsblock, wies Dr. Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des HDH und Geschäftsführer des DHWR, darauf hin, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH) die Mittel für Forschung und Entwicklung im Holzverarbeitungsbereich streichen werde - bis 2028 „auf Null“. „Die verweisen jetzt auf den Klimatransformationsfonds im Bundesumweltministerium. Das nutzt erstmal das gesamte Geld, das es bekommt, um Wälder stillzulegen: Die Laubholzwälder, die eigentlich unsere Industrie verwenden soll, um innovative Bauprodukte herzustellen - oder andere Produkte“, berichtete Ohnesorge aus Berlin. „Mir fehlt der Aufschrei aus Nordrhein-Westfalen, aus den Ländern, die sagen, was macht ihr da eigentlich? Wir brauchen die Gelder für Forschung und Entwicklung in dem Bereich“. Ralf Petercord pflichtete Ohnesorge hier bei. „Im Umweltministerium ist tatsächlich der Gedanke da, lasst uns die Wälder stilllegen, lasst uns das CO2 im Wald speichern. Da gibt es das schöne Projekt ‚Klimawildnis‘. Waldbesitzern wird der Wald abgeschwatzt, der wird dann vom Staat für teures Geld gekauft. Das ist widersinnig, geht in die völlig falsche Richtung. Dieses Geld könnten wir dringend in der Forschung brauchen.“ Sein abschließender Rat: „Wenn Sie mal etwas tun wollen, reichen Sie eine Petition gegen ‚Klimawildnis‘ ein.“ Zum Schluss der Diskussionsrunde wies Moderator Dr. Heinrich Köster (Hochschulpräsident der TH Rosenheim) die EBH-Teilnehmenden auf zwei Punkte hin, die ihm wichtig sind: Zum einen die Erschwinglichkeit von Wohnraum, die gerade für junge Menschen von großer Bedeutung sei. Zum anderen sei ihm bei Bauprojekten der TH aufgefallen, dass im staatlichen Hochbau die Kenntnisse für Holzbau fehlten. Köster: „Der Wille ist da, die Qualifikation fehlt.“
Abschließender Programmpunkt beim EBH-Kongress war die Verleihung der Holzbaupreise NRW 2026. Als Gastredner hatte die NRW-Architektenkammer FORUM-HOLZBAU-Mitbegründer, Architekt und Hochschullehrer Hermann Kaufmann aus Reuthe eingeladen. Bei aller Freude über die öffentliche Aufmerksamkeit, die der Holzbau erreicht habe: Kaufmann wies kritisch darauf hin, dass man sich mehr um das Handwerk im Holzbau kümmern müsse, damit der Holzbau in Zukunft weiterwachsen könne wie bisher. Vor allem im Bestand sei das Handwerk so wichtig, aber das gute Handwerk drohe verloren zu gehen. Es dürfe nicht wegrationalisiert werden. Kaufmann: „Wir müssen darauf schauen, dass wir die jungen Menschen bekommen, die Feuer fangen, um solche Konstruktionen herzustellen.“
Größte Anstrengungen seien aber auch in der Vorfertigung erforderlich, um den Bauprozess zu optimieren. Kaufmann weiter: „Ich bin überzeugt davon, dass im modernen Bauen unsere Chance im Holzbau nur darin liegt, dass wir einen anderen Bauprozess bereitstellen können.“ Viele Baubetriebe seien mit holzgerechtem Bauen aber überfordert, gerade auch bei der Vorfertigung. „Auf der einen Seite müssen wir das Handwerk erhalten, auf der anderen Seite Strukturen schaffen, die in der Lage sind, die großen Bauaufgaben, die mittlerweile gefordert werden und auf uns zukommen, wirklich seriös zu stemmen. Da ist vieles zu hinterfragen.“ Der größte Feind sei nicht das Feuer, sondern das Wasser (Feuchtigkeit).
Bei alledem dürfe aber auch die Qualität der Architektur und die „Sprache des Holzes“ nicht auf der Strecke bleiben. Kaufmann hat „derzeit ein bisschen Bauchweh, dass wir die Sprache, die der Holzbau verlangt, noch nicht gefunden haben. Das gilt insbesondere, wenn man Holzfassaden macht. Ich kann einen Holzbau ohne Holzfassade machen, das geht auch. Aber mit Holz bestehe die Chance, eine weltweite Trostlosigkeit in der Architektur zu überwinden.“
Die digitalen Tagungsunterlagen stehen auf Forum Holzwissen zum Download (nach Registrierung) zur Verfügung. Fotos zur Veranstaltung finden Sie unter der Rubrik Rückblick.
Der nächste (dann 20.) EBH-Kongress ist auf den 20. und 21. Oktober 2027 terminiert, er findet wie gewohnt im Kölner Veranstaltungszentrum Gürzenich statt.